Islam in Deutschland: Islamisc...

Islam in Deutschland: Islamische Organisationen in Deutschland

VON: IFI

ADÜTDF/ATF, im Volksmund genannt: Graue Wölfe

Die „Förderation der Demokratischen Idealistischen Türkischen Vereine in Europa“ wurde 1978 in Frankfurt a.M. gegründet. Sie ist primär nationalistisch orientiert; seit den 80ern scheint sie sich mehr dem Islam zugewandt zu haben. Bundesweit vertritt die ADÜTDF vielleicht über 180 Vereine. 1996 wurde ein europäischer Dachverband (Avrupa Demokratik Ülkücü Dernekleri Konfederasyonu) mit Sitz in Köln gegründet, dem einzelne Föderationen europäischer Länder unterstellt sind. Generalvorsitzender ist Prof.Dr. Ömer Aksu. Generalsekretär der neuen Deutschland-Türkischen Föderation (ATF) ist Mehmet Erdoan.

Nach der Abspaltung von ATIB 1987 sank die Zahl der Mitglieder von 1992 = 7300 auf 1993 = 3000 Mitglieder. Allerdings nahmen am Kongress der „Idealisten“ von ADÜTDF 1994 über 15.000 Menschen teil.

ATIB

Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine (ATIB, ehemals TIKDB), trennte sich 1987 vom ADÜTDF, deren Augenmerk dem Großtürkischen Denken und nicht dem Islam gilt. Vorsitzender ist Musa Serdar Celebi. Der Dachverband ATIB vertritt 126 Vereine mit rund 25.100 Mitgliedern.1

ATIB kritisiert eine allgemeine antitürkische Haltung der deutschen Behörden sowie eine Benachteiligung durch Gesetzgebung und Gerichte. Trotzdem steht ATIB dem Dialog wie auch nicht-islamischen Wissenschaftlern offen gegenüber. ATIB-Mitglieder sind allgemein vom äußeren Erscheinungsbild her liberaler.2

ANF

Die türkische ANF (Föderation der Weltordnung in Europa) ist ebenfalls eine Abspaltung von ADÜTDF und der kleinen nationalistischen türkischen Einheitspartei BBP (Büyük Birlik Partisi). Sie ist streng religiös und ultra-rechts einzuordnen. Der ANF in Deutschland sind wohl 12 Vereine zuzuordnen.

Deutsche Muslim Liga / DML

Die Deutsche Muslim Liga wurde 1952 gegründet. Mitgründer ist Bashir Dulz, der 1954 austrat und die Deutsche Muslimliga Bonn e.V. (DML) gründete. DML sieht sich als Brücke zwischen Deutschland und der Islamischen Welt; sie ist Träger der jährlichen „Ständigen Europäischen Konferenz der Juden, Christen und Muslime“ (JCM). DML ist besonders auf die Vertretung der Interessen von Muslimen mit deutschem Pass ausgerichtet.

Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS)

In Deutschland lebenden etwa 200 Mitglieder der im Nahen Osten terroristisch aktiven HAMAS. Bislang sind sie in Deutschland noch nicht durch Gewalttaten mit terroristischem Hintergrund auffällig geworden. Hamas wird weniger wegen Islamisierungsbestrebungen, sondern wegen möglicher Unterstützung internationaler terroristischer Aktivitäten vom Verfassungsschutz beobachtet. Ihr formuliertes Ziel ist die Errichtung eines islamistisch geprägten Staates auf israelischem Territorium. Vertreter der Hamas ist in Deutschland der „Islamische Bund Palästinas“ (IBP) mit Sitz in Darmstadt.

GIA und FIS/Algerische Islamisten

In Deutschland leben laut Verfassungsschutzbericht rund 300 algerische Islamisten, die zum Teil mit der „Bewaffneten Islamischen Gruppe“ (GIA) oder der „Islamischen Heilsfront“ (FIS) sympathisieren. FIS gilt als algerischer Zweig der Muslimbruderschaft, der sich in Algerien seit 1989 für eine islamistische Gesellschaft und Staatsverfassung einsetzt. Nach ihrem Verbot 1992 zeichneten sich in Algerien wie im Ausland verschiedene Strömungen ab. Die Bedeutung der FIS in Deutschland geht aus der hiesigen Existenz des Leiters der „Exekutivinstanz im Ausland“ hervor.

GIA strebt einen über das algerische Staatsgebiet hinausgehenden islamistischen Staat in Nordafrika an. In Deutschland leben wenige GIA-Anhänger. Während die meisten Algerier sich mit dem brutalen Vorgehen der Organisation in Algerien nicht identifizieren wollen, scheint in Deutschland dennoch ein kleiner Personenkreis mit der materielle Unterstutzung der GIA in Algerien befasst zu sein.

Ehemalige „arabische Afghanistankämpfer“/ Mujahedin/ Al-Qaida

„An den Kampfhandlungen in Afghanistan in den 80er Jahren zur Vertreibung der sowjetischen Streitkräfte haben sich auch zahlreiche Islamisten aus dem Nahen Osten und Nordafrika beteiligt; sie haben militärische Ausbildungslager in Afghanistan und Pakistan besucht und den bewaffneten Kampf gegen die Rote Armee und gegen Kommunisten als geführt. Der Ursprung dieses Netzes [arabische Afghanistankämpfer] liegt in den ...[afghanischen und pakistanischen] Ausbildungslagern. Für die Kommunikation können offensichtlich auch Einrichtungen islamischer „Nicht-Regierungsorganisationen“ (nongovernmental organisations / NGO’s) genutzt werden; mehrere solcher Organisationen sind seinerzeit zur Unterstützung der Mujahedin im Afghanistankrieg gegründet worden. Die Terroranschläge der vergangenen Jahre mit islamistischem Hintergrund in Frankreich, den USA und Saudi-Arabien weisen meist eine oder mehrere Verbindungen in das internationale Milieu der Mujahedin [s.u.] auf.“3 Seit dem 11.September kommt diesen Gruppierungen verstärkt Aufmerksamkeit zu und ihnen wird eine ganz neue Bedeutung zugemessen.

Arabische Mujahedin (Islamische Glaubenskämpfer)

Mujahedin steht für ein loses Netzwerk fanatischer Kämpfer „für die Sache Gottes“, die sich in den 1980ern den afghanischen Mujahedin angeschlossen hatten. „Sie wurden in Camps in Afghanistan und Pakistan religiös und militärisch ausgebildet und kämpfen seitdem für den Sieg des Islam, wo immer sie sich gebraucht fühlen (u.a. Bosnien, Tschetschenien, Kaschmir). Eine maßgebliche Rolle spielt der saudische Multimillionär Usama Bin Laden ... Die von Bin Laden gegründete Organisation Al QAIDA (Die Basis) bildet in eigenen Lagern die Kämpfer aus, die sich als Mujahedin bezeichnen. Die Absolventen solcher Ausbildungslehrgänge sind für Kampfeinsätze in Krisenregionen vorgesehen bzw. kehren in ihre Heimatländer zurück, um die erworbenen Kenntnisse als Multiplikatoren weiterzugeben.“4

Islamismus iranischer Prägung

Zwar ist mit Mohammed Khatami seit 1997 ein reformorientierter Präsident im Iran an der Macht, jedoch ist die höchste und entscheidende Instanz weiterhin der konservative Ayatollah Khamenei. Der Islamismus iranischer Prägung wurzelt in den sozialen und religiösen Konflikten des letzten Jahrhunderts, die 1979 zur Errichtung der theokratischen Republik Iran führten. Er führte ein islamisches Rechtssystem ein, basierend auf der Scharia. Rechte und Menschen sind in diesem Staat dem Willen Gottes und seinen Vertretern auf Erden untergeordnet. Der Iranisch-Islamische Staat proklamiert das „unverfälschte“ Gedankengut des Islam. „In der [iranischen] Verfassung wird die „Islamische Revolution“ als Bewegung zum Sieg der Unterdrückten über die Mächtigen der Welt deklariert. Diese Revolution müsse durch internationale Kontakte mit anderen islamischen Bewegungen verbreitet werden, um schließlich eine einheitliche islamische Gemeinschaft aufzubauen. Die Streitkräfte des Iran sollen dem Islam folgen und zum Jihad bereit sein, um die Ausbreitung der „göttlichen Herrschaft“ in der Welt zu erkämpfen. Iran als „erster befreiter Teil der islamischen Welt“ sei verpflichtet, anderen Muslimen zu helfen, zu einer Regierung nach iranischem Vorbild zu gelangen. Parallel dazu müsse der Kampf gegen die Verursacher der „Misere“ der islamischen Welt geführt werden, gegen die „Weltarroganz“ und ihre Lakaien, d.h. die USA und die mit ihr verbündeten westlichen Länder.“5

Union der islamischen Studentenorganisationen/U.I.S.A.

Die U.I.S.A. ist ein vom Iran finanzierter Dachverband studentischer Vereine mit extremistisch-islamischer Einstellung. „Die U.I.S.A. setzt sich als einzige überregionale iranische Organisation in Deutschland für die „Islamische Revolution“ ein. Zu ihren Hauptaufgaben gehört die Propagierung der Revolutionsideen Khomeinis, die Gewinnung und Indoktrinierung neuer Anhänger sowie die Ausforschung von Oppositionellen ...Mitglieder sind verpflichtet, den islamischen Glauben und die islamische Revolution „bis zum Tode zu verteidigen“. In den vergangenen Jahren entfaltete die U.I.S.A. kaum öffentlichkeitswirksame Aktivitäten, sondern beschränkte sich auf interne Veranstaltungen im „Islamischen Zentrum Hamburg e.V.“ (IZH) [s.u.]...“6

Die jährliche Organisation des Quds-Tages zur Erinnerung aller Muslime an das Ziel der Rückeroberung Jerusalems (wobei Parolen wie „Tod für Israel“, „Israel raus aus Palästina“, „Es lebe Hizb Allah“, „Es lebe Khomeini, es lebe Khamenei“ skandiert werden), wird von der U.I.S.A. maßgeblich vorbereitet und durchgeführt.

Islamisches Zentrum Hamburg e.V./IZH

Als besonders vom Verfassungsschutz beobachtete Zentren iranisch-schiitischer Agitation gelten das IZ-Hamburg und IZ-Münster. Das IZH ist die westeuropäische Zentrale zur Verbreitung iranisch geprägten Islamismus. Weitere iranisch beeinflusste Zentren existieren in Berlin, Münster, Hannover und München. Ihnen gemein ist, dass sie neben regimetreuen Iranern auch nichtiranischen Muslimen zum Besuch und für deren eigene Veranstaltungen offen stehen. Daneben „verbreitet das IZH eine Reihe von Publikationen, die regelmäßig den Erfolg der Islamischen Republik Iran preisen und daneben antiwestliche Agitation enthalten. Obwohl ... eine innermuslimische und konfessionsübergreifende Offenheit bekräftigt wird, sind diese Zentren Orte, an denen das Weltgeschehen und Fragen des täglichen Lebens im Sinne einseitiger iranisch-islamistischer Lesart interpretiert werden. Es gibt Anhaltspunkte dafür, daß der Iran auch über das IZH versucht, bundesweit mit organisatorischen und finanziellen Hilfsangeboten schiitische Moscheen zu beeinflussen oder zu unterwandern. Die prononciert antiwestliche Propaganda in diesen Zentren („der Westen, speziell die USA und Israel, wollen den Islam vernichten“) ist geeignet, die Besucher zu radikalisieren, wodurch das friedliche Zusammenleben der Muslime unterschiedlicher Nationalität sowie mit der einheimischen Bevölkerung gefährdet wird.“7

Hizb Allah (Hisbollah)/Partei Gottes

Auf iranische Initiative gründete sich 1982 im Libanon die extremistisch-schiitische „Hizb Allah“ zu einer militanten Sammlungsbewegung libanesischer Schiiten. Hizb Allah ist mittlerweile eine libanesische Partei, seit 1992 im Parlament vertreten. Mit Wohlfahrtsorganisationen, füllt sie eine Lücke im libanesischen Sozialsystem, bildet aber auf der anderen Seite den „Islamischen Widerstand“ zur Bekämpfung Israels sowie seiner „Unterstützerstaaten“. Sie streben die Errichtung einer „islamischen Republik“ im Libanon und die Verbreitung der „islamischen Revolution“ weltweit an.

„Seit 1983 ist die „Hizb Allah“ für zahlreiche Terroranschläge auf westliche Ziele im Libanon und im Ausland ... verantwortlich. ... Der deutsche Zweig der „Hizb Allah“, dem im Bundesgebiet etwa 700 Anhänger zugerechnet werden, bemüht sich schon seit Jahren - unterstützt von Funktionären aus dem Libanon - um eine effiziente Organisationsstruktur. Diese scheiterte bislang an internen Querelen. Die Aktivitäten der „Hizb Allah“-Anhänger in Deutschland beschränken sich bisher auf die Durchführung von internen Treffen, Diskussionsveranstaltungen sowie die Teilnahme an Demonstrationen (z.B. anläßlich des „GHODS-Tages“).“8

Abschließend zu islamische Organisationen in Deutschland

Nach Erlass des „Religionsprivilegs“ für Vereine im November 2001 hat das Verbot militanter islamistischer Gruppen eine zusätzliche Begründung erhalten und erwies sich in der Anwendung auf die Kaplan-Anhänger des Kalifstaats/ICCB, Köln bereits als wirksam. Dies ist nicht nur der inneren Sicherheit dienlich, sondern auch dem Ansehen und der Akzeptanz der über 3,2 Millionen in Deutschland lebenden Muslime. Sie sind mittlerweile ein integraler Bestandteil unserer Gesellschaft. Die muslimischen Dachverbände müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, nationale oder islamistische Ideologien zu vertreten, „die in ihren Herkunftsländern aus gutem Grund unterdrückt werden“9. Trotzdem sind sie häufig die Ansprechpartner für Politiker, Kirchen und Medien. Auch wenn islamische Vereine und Verbände nach dem 11. September mehr an die Öffentlichkeit getreten sind, können Offenheit und Transparenz ihre Integration in die deutsche Gesellschaft und ein Zusammenleben nur erleichtern.



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